KATHRINS SCHMETTERLING
Gesehen hat sie ihn schon einmal vor ein paar Tagen. Jetzt hat Kathrin tolle Fotos von ihm gemacht.
Der Schwalbenschwanz (Papilio Machaon) ist ein Schmetterling aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae).


KOSSIVI ANIKA
Tu Gutes! …Und rede darüber!
Mit Hilfe des Online-Portals KIVA, kannst du einer/m bestimmten Unternehmer/in in einem Entwicklungsland Geld leihen. Auf www.kiva.org kannst du dir die Bewerber/innen für einen Mikrokredit ansehen und entscheiden wem du Geld leihen willst. Ab 25$ bist du dabei. Anschliessend wirst du regelmässig per e-mail über die Business-Fortschritte deines Schuldners informiert. Sobald er oder sie das Geld zurück bezahlt hat, kannst du es jemand anderem leihen oder zurück nehmen. Kiva arbeitet mit vielen Microfinance Field Partnern überall auf der Welt zusammen.
Die Qual der Wahl
Jemandem Geld zu leihen, bedeutet auch andere nicht zu berücksichtigen. Das kann hart sein.
Kathrin und ich haben uns durch die vielen Gesichter, Projekte und Schicksale geklickt und schnell Sympathien für einige davon entwickelt. Zum Beispiel drei Frauen aus Uganda, die sich unter dem Namen Bubulete I a Group zusammen getan haben und sich gegenseitig helfen die Kredite zurückzuzahlen. Die eine möchte ihr Kohle Business ausbauen, die andere möchte einen Kühlschrank für ihre kleine Brauerei kaufen. Zusammen brauchen sie 825$. 250$ wurden ihnen schon von anderen Kiva-Usern versprochen. Weitere 25$ erhalten sie jetzt von Kathrin.
Kossivi Anika
Ich habe mich für Kossivi Anika entschieden, der in Lomé, Togo ein Electronics Repair Geschäft aufbauen will. Kossivi ist am 21. Januar 1979 geboren. Vier Tage vor mir. Während ich meine bald 30 Lebensjahre bequem in der reichen Schweiz verbringen konnte, kämpfte Kossivi in derselben Zeit in Togo ums überleben. Ich habe Anfang Jahr relativ leicht die ton und bild GmbH gründen können, Kossivi muss für seinen Electronic Shop hart kämpfen. Er sei talentiert im Umgang mit Elektronik und benötigt 1200$ Startkapital. 350$ davon haben Leute aus USA, Spanien, Irland, usw. bereits zugesichert. Von mir kommen weitere 25$ dazu. Wer alles zu den Gläubigern gehört sieht man transparent in Kossivis Profil.
Wer der ganzen Sache nicht so recht traut, der schaue sich zuerst die zahlreichen Medienberichte zu Kiva an. Wenn Bill Clinton sagt es sei eine good idea, dann ist es eine good idea. Oder nicht?
LINKS IST WIEDER SEXY!
Das neuste Tages Anzeiger Magazin zu lesen ist eine grosse Freude:
Der Artikel DIE WENDE, von Daniel Binswanger, zeigt die Parallelen zwischen der republikanischen Partei Amerikas und der helvetischen SVP. Beiden gemeinsam ist nicht nur, dass sie den Zenit überschritten haben und massiv an Boden verlieren, auch ihre Geschichte zeigt erstaunliche Parallelen. Binswanger analysiert scharfzüngig mit welchen Tricks Republikaner und SVP die Unterschicht hinters Licht geführt haben. Hüben wie drüben. Jahrzehntelang.
“Weshalb war der aggressive Konservatismus in den USA politisch so viel erfolgreicher als anderswo?” fragt Binswanger und liefert eine plausible Erklärung nach: “Die Civil Rights haben die Demokraten die Sympathien gekostet – und es den Republikanern ermöglicht, mit den Kampagnen gegen den Sozialstaat durchzukommen bei der weissen Unterschicht.” und weiter: “In Europa spielt der Rassismus seit dem Zweiten Weltkrieg eine weniger wichtige Rolle. Eine analoge Funktion hat jedoch die Ausländerfrage erfüllt. Wer die Einkommensschwachen dazu bringen will, den Abbau des Wohlfahrtsstaats zu bejahen, der muss die Bevölkerung davon überzeugen, dass Sozialleistungen hauptsächlich den Ausländern zugutekommen.”
Binswangers Artikel fasst die vergangenen (dunklen) Jahre in der helvetischen und amerikanischen Politik hervorragend zusammen. Jeder Satz ein Treffer. Man fragt sich gleich warum solch scharfsinnige Texte in den letzten Jahren so selten waren. Hat es damit zu tun, dass links jetzt wieder sexy wird? Binswanger dazu: “Der Rock’n’Roll-Faktor wechselt die Seiten; der Sexappeal ist wieder links. Vielleicht handelt es sich ja bloss um einen Stimmungswandel. Doch was ist wichtiger in der Politik als die Veränderung der gesellschaftlichen Atmosphäre?”
Das Magazin hat punkto Sexappeal in dieser Ausgabe gleich noch einen drauf gegeben und veröffentlicht Roger de Wecks schönen Abgesang auf Christoph Blocher.
Pures Lesevergnügen!
NATIONALSTAAT SUBERG
Schlechte Nachrichten
Vor zwei Jahren ist die europäische Verfassung gescheitert. Seit gestern steht die EU erneut vor einem Scherbenhaufen. Der als Ersatz gedachte Reformvertrag fiel beim Referendum in Irland durch.
Fusion
Ich habe immer mehr den Eindruck, dass Zusammenschlüsse von Menschen und Gruppierungen nur noch funktionieren wenn sie Fusion genannt werden und in der Wirtschaftswelt stattfinden. Obwohl wir den Börsencrash Anfang Jahr und die darauf folgende Finanz- und Hungerkrise nachweislich zum grössten Teil den zu schwachen, staatlichen Regulierungen im Finanzsektor zu verdanken haben, ruft es mehr denn je aus jeder Ecke: Weniger Regeln! Weniger Staat! Mehr Gemeindeautonomie!
Die SVP hat mit ihrer gescheiterten Einbürgerungsinitiative unter anderem auch gezeigt, dass über 800′000 Menschen (36.25 % der Stimmenden) in diesem Land mehr Vertrauen in die Gemeindeversammlung haben als in die Kantons- oder Landesregierung.
Schwimmende Staaten
Auch der ehemalige Google-Softwareingenieur Patri Friedman ist unzufrieden mit den bestehenden Staaten und ihren Regierungen. Deshalb will er jetzt neue bauen. Auf Plattformen im Ozean. Das hört sich so an: “Wir wollen die Schwimm-Städte aus modularen Einheiten bauen. Wenn jemand auf eine Stadt keine Lust mehr hat, schwimmt er einfach zu einer anderen und schließt sich dieser an. Städte könnten sich frei entscheiden, welchem Land sie sich anschließen wollen und so weiter. An Land ist das nicht möglich, kein Land der EU zum Beispiel kann einfach wegschwimmen und sich einem anderen Bündnis anschließen. Es ist vielleicht nicht ganz billig, aufs Meer zu ziehen. Es ist aber auf jeden Fall besser, als an Land zu leben.” (Die Zeit, Zuender)
Mikronationen
Auf der Welt gibt es schon heute einige Dutzend Mikronationen. Immer wieder mal werden neue gegründet. In etwa so: “Es gibt Leute, die wachen jeden Morgen auf und denken sich: „Verdammte Steuern, blöde Regierung und auch noch die Müllabfuhr!“ Viele dieser Leute gehen dann aufs Klo, kochen sich Kaffee und fahren zur Arbeit. Und einige wenige gründen ihren eigenen Staat, in dem sie fortan alles besser machen.” (Die Zeit, Zuender Bildergalerie)
Nationalstaat Suberg Jetzt!
In Suberg hat man die Zeichen der Zeit erkannt und prüft zurzeit intensiv die Gründung eines eigenen Nationalstaats. Der erste Schritt ist natürlich die Befreiung vom Joch der Gemeinde Grossaffoltern. Das Dorf Grossaffoltern mit Sitz der Gemeindeverwaltung liegt nämlich rund 1.7 Kilometer oberhalb von Suberg. Diese Fremdbestimmung “von oben herab” und überhaupt die ganze zentralistisch geführte Gemeinde ist vielen der rund 600 Suberger/innen hier unten schon lange ein Dorn im Auge. “Was verstehen die dort oben schon von den Problemen hier unten” hört man die Suberger/innen immer wieder sagen.
Ganz klar, dass man hier in Suberg mit der Kantons- und Landesregierung schon lange nichts mehr am Hut hat. Vorsorglich wurde die Domain suberg.ch bereits von einem Mitglied des Komitees “Für einen freien Nationalstaat Suberg!” reserviert. Leider sind noch nicht alle Suberger von der Idee eines eigenen Nationalstaats begeistert. Die Zweifler haben sich zusammengeschlossen und betreiben nun eine Gegenkampagne mit dem Namen “National-statt-Suberg!”.
Wenn wir dann erstmal die Probleme im Innern unseres neuen Staates gelöst haben, werden wir uns intensiv um die Aussenpolitik kümmern. Obwohl wir Suberger ein friedliches Volk sind und eine feindliche Übernahme von Ammerzwil, Ottiswil oder gar Vorimholz nicht zur Debatte steht, werden wir uns in traditioneller Schweizer Manier zu verteidigen wissen. Ein Ausschuss unter der Leitung des neu gewählten Suberger Verteidigungsministers prüft deshalb die Anschaffung eines Kampfjets um den Suberger Luftraum zu sichern.
Whisky oder Fusel
Die Idee eines Nationalstaats Suberg mag im ersten Moment lustig klingen. Sehr schnell wecken solche Szenarien aber auch traurige Erinnerungen an Bilder von Gewalt und Bürgerkrieg. Langjährige Nachbarn die sich plötzlich als Feinde gegenüberstehen und einander niedermetzeln. Was passiert wenn ein Nationalstaat sich auflöst und die Verantwortung auf lokale Gemeinschaften und Warlords übergeht, kann man am Beispiel von Somalia sehen. Eine spannende Bildergalerie mit Erklärungen dazu auf Die Zeit, Zuender
Kilian Meyer, ein ehemaliger Schulfreund und neuerdings Facebook-Freund, hat es in einem Artikel zur Einbürgerungsinitiative in der WOZ auf den Punkt gebracht:
“Gemeindeautonomie ist wie Alkohol: Zu hoch dosiert, ist sie ungeniessbar und macht krank. Soll sie schmecken wie ein guter Whisky, kräftig im Geschmack, befreiend und wohltuend eigensinnig, darf sie nicht zu viele Volumenprozente aufweisen.”

Suberg, “von oben herab”




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