LEAVING ON A JETPLANE
Wir haben in der Nähe des LAX Flughafens (L.A.) das letzte Hotel unserer Reise bezogen. In dieser Gegend gibt es nichts mehr zu tun ausser zu warten…
und CNN zu schauen.
In 2 Stunden und 28 Minuten findet drüben am Hollywood Boulevard die grosse Clinton-Obama-Debate statt. Ein historischer Moment. Grosse Show. Die Zuschauer bezahlen über 1000 Dollar für einen Sitzplatz im ausverkauften Kodak Theater. Kein Zufall und irgendwie bezeichnend für den amerikanischen Show-Wahlkampf, dass am selben Ort auch die Oscar-Verleihungen stattfinden.
In 24 Stunden geht unser Flieger. Unsere Stimmung beschreiben wir am besten mit zwei Songs aus den fetzigen Sechzigern. Ein Song für die Melancholie und Trauer die wir fühlen weil wir Amerika verlassen müssen:
Ein Song für die Vorfreude auf Freunde, gute Salatsaucen und das eigene Bett:
L.A.
I love Los Angeles. I know a lot of people go there and they see just a huge sprawl of sameness. But when you’re there for a while, you realize that each section has its own mood. The golden age of cinema is still alive there, in the smell of jasmine at night and the beautiful weather. And the light is inspiring and energizing. Even with smog, there’s something about the light that’s not harsh, but bright and smooth. It fills me with the feeling that all possibilities are available. I don’t know why. It’s different from the light in other places. The light in Philadelphia, even in the summer, is not nearly as bright. It was the light that brought everybody to L.A. to make films in the early days. It’s still a beautiful place.
Aus Catching The Big Fish von David Lynch.


NO FUCKIN’ MERLOT!
Wir sind auf Nebenstrassen (Sideways) im Santa Barbara Wine Country.
Manchmal machen wir Fotos

und manchmal degustieren wir Wein.

Cabernet, Pinot und Syrah… aber no fuckin’ Merlot!
Der Kultfilm Sideways (2004) wurde hier gedreht und hat den Tourismus in der Gegend stark angekurbelt. Es kommen sogar Leute hierhin um Szenen aus dem Film am Originalschauplatz nachzuspielen und sich dabei zu filmen.
Weil auch wir absolute Fans des Films sind, wohnen wir natürlich im selben Hotel (Windmill) wie einst Miles und Jack

und gehen jetzt dann gleich am selben Ort (Hitching Post) Abendessen.
Fahren und trinken tun wir nicht. Deshalb müssen wir erst zwei Kilometer dem Highway entlang gehen. Ohne Gehweg, dafür vorbei an zwei Tankstellen.
Das ist Amerika. Wir werden es vermissen!
FUCK YOU, YOU FUCKING FUCK!
Eigentlich hätte ich heute gerne etwas von den Filmen erzählt die wir am Santa Barbara Film Festival gesehen haben.
Gestern hat uns der Film “Fix” nachhaltig beeindruckt und mir wird immer bewusster, wie wegweisend dieser Film für die Zukunft des Mediums ist.
Leider wurden wir heute von idee-freien Kurzfilmen und einem sehr langatmigen Dokumentarfilm enttäuscht. Es langweilt mich schon wenn ich nur daran denke.
Deshalb hier etwas aus dem Buch, dass ich grad lese:
Ideas are like fish.
If you want to catch little fish, you can stay in the shallow water. But if you want to catch the big fish, you’ve got to go deeper.
Das stammt aus dem Buch Catching The Big Fish von David Lynch. Man erfährt darin zum Beispiel, dass David Lynch seit über dreissig Jahren zweimal am Tag 20 Minuten meditiert und die meisten seiner Ideen bei einem Milk-Shake und Doughnut in einem Diner in Los Angeles hat. Ob man davon wohl diesen Blick kriegt?
Ich lese dieses Buch, weil ich unbedingt herausfinden will, wie man solch geniale Dialoge schreibt:
I’ll send you a love letter! Straight from my heart, fucker! You know what a love letter is? It’s a bullet from a fucking gun, fucker! You receive a love letter from me, and you’re fucked forever! You understand, fuck? I’ll send you straight to hell, fucker!
… In dreams… I walk with you. In dreams… I talk to you. In dreams, you’re mine… all the time. Forever.
Über die Idee zu diesem Film schreibt Lynch in dem Buch:
In Blue Velvet, it was red lips, green lawns, and the song – Bobby Vinton’s version of “Blue Velvet”. The next thing was an ear lying in a field. And that was it.
GLAMOUR
Gestern und heute besuchen wir das Internationale Film Festival von Santa Barbara. 11 Tage. 220 Filme aus 49 Ländern. Darunter 20 Weltpremieren und 22 US Premieren.

Gestern Abend war hier Cate Blanchett zu Gast. Die zurzeit sehr gefeierte Schauspielerin hat gerade einen Golden Globe gewonnen und ist zweifach für den Oscar nominiert.
Wir hatten die Gelegenheit etwas von dem Glamour zu sehen, den der Schweizer Filmchef Nicolas Bideau in Solothurn so vermisst.

Wir hatten gestern 40 Filme zur Auswahl und haben uns für den Film Fix entschieden. Dieser Film hatte mit Abstand die beste Kurz-Synopsis: Shot in the first person by the actors in the film, Fix is a one day odyssey through the myriad worlds of Los Angeles as documentary filmmakers Bella (Wilde) and Milo (director Tao Ruspoli) race to get Milo’s brother Leo (Andrews) from jail to rehab before 8pm.
“Gefilmt in der ersten Person”. Das machte uns neugierig!
Und wir wurden nicht enttäuscht. Der Film ist einsame Spitzenklasse und ein Feuerwerk von neuen Ideen.
Es ist schon interessant: Wir alle sehen zu 90% Filme, die aus Los Angeles stammen. Beim Film Fix hatte ich aber zum ersten Mal den Eindruck, Los Angeles wirklich zu sehen.
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